Zuviel Stress macht vorzeitig alt

In unserer Umwelt, im physikalischen Bereich, gibt es eine Reihe Stressauslöser: Umweltgifte, Veränderungen im Tag-Nacht-Zyklus, Zeitverschiebungen durch Überseereisen, extreme Temperaturschwankungen und Verletzungen.

Die bekanntesten Stressauslöser im physiologischen Bereich sind chronische Infektionen, Blutzuckerschwankungen, Schmerzen, Schlafmangel - nur vier bis fünf Stunden Schlaf -, übertriebenes Körpertraining, chronische Entzündungen, unausgewogene Ernährung, Stimulanzien - zum Beispiel Koffein - und Allergien.

Die bekanntesten Stressauslöser im psychologischen Bereich sind Kummer, Sorgen, emotionale Belastungen, Angst und Furcht.
Mentaler Stres kann sogar gemessen werden. Die amerikanischen Wissenschaftler Holines und Raabe haben eine Bewertungsskala ausgearbeitet.
Ihre Forschungsarbeit zeigt: Der grösste Stress, den ein Mensch erlebt, ist der Tod des Lebenspartners. Mit 100 Prozent ist es das stressvollste Ereignis.

Auf dieser Skala von 0 bis 100 stehen auch Ereignisse, die uns Freude machen. Zum Beispiel macht Heiraten 50 Prozent, das Ferienmachen 13 Prozent Stress aus. Beides bedeutet eine Veränderung der bisherigen Lebensgewohnheiten.
Beim Heiraten ist sie natürlich bedeutend grösser als im Falle der Ferien. Und doch ist der Stress bei Urlaubern nicht zu unterschätzen: Sie unterbrechen die Routine, erleben eine neue Umgebung, neue Gesichter.
Was für sie den Reiz des Urlaubs ausmacht, registriert ihr Körper als Stress.


Wie reagiert der Körper auf Stress?

Es ist ein komplizierter Ablauf, bei dem es aber vor allem auf eines ankommt: auf eine normale Stress-Antwort des Körpers. Sobald Stress gemeldet wird, signalisiert der Hypothalamus der Nebennierenrinde durch den Botenstoff ACTH: Sofort Kortisol ausschütten!
Steigt der Stresshormonspiegel an, kommt es durch Kortisol zu einer Rückmeldung beim Hypothalamus, um die weitere Kortisol-Produktion abzustellen. Danach normalisiert sich der Kortisolspiegel wieder. Das ist die gesunde Antwort auf Stress.

Bei Menschen, die mittags nur Salat essen oder nur Früchte und Gemüse, ist der Kortisolspiegel mittags und am frühen Nachmittag deutlich erhöht, weil ihr Blutzucker nicht aufgefüllt ist.
Sie haben sich nicht ausreichend ernährt. Der Körper reagiert darauf mit Stress, das Kortisol geht hoch.

Besteht eine zu niedrige Kortisolausschüttung, kann der Blutzucker zwischen den Mahlzeiten deutlich absinken, es droht Unterzuckerung (Hypoglykämie).
In dieser Situation hat der Mensch gleich mehrere Probleme: Er ist chronisch müde, der Blutzucker (Glukose) lässt sich nicht stabilisieren, die Verdauung stimmt nicht, Allergien treten auf, die Konzentration fällt schwer, das Gedächtnis lässt nach.
Der Mensch kann nichts oder wenig behalten, denn das Gehirn arbeitet auf der Basis von Glukose.

Sobald der Stress und somit das Kortisol länger als zwei, drei Wochen kontinuierlich erhöht ist, wird der Hypothalamus unempfindlich gegen das Kortisol, er registriert es kaum noch.
Dadurch funktioniert das Abschalten der Stresshormonausschüttung nicht mehr wie bei der normalen Stress-Antwort. So kommt es dazu, dass der Hypothalamus laufend neue Botenstoffe an die Nebennierenrinde schickt, um noch mehr Kortisol auszuschütten.

Das Ergebnis: Der Organismus bleibt im Stress-Status, selbst wenn ihn danach kein neuer Stressor mehr dazu herausfordert.
Chronischer Stress - also zu hohes Kortisol über einen langen Zeitraum - führt zu erheblichen Veränderungen im Körper: Die Kontrolle über den Blutzucker ist schlechter; man ist immerzu hungrig, weil das "Zuckerhormon" Insulin nicht mehr richtig wirkt.

Osteoporose schreitet rapide voran; Fett sammelt sich rund um den Bauch; Immunabwehrkräte reduzieren sich; Schlafprobleme treten auf, die Vitalität nimmt ab; prämenstruelle Probleme nehmen zu.
Wer diesen stressbedingten Störungen nicht Einhalt gebietet, erschöpft letztlich die Nebennierenrinde. Und das führt zur chronischen Erschöpfung und vorzeitigen Alterung des Menschen.

Quelle: DGH




Druckbare Version